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Reflex (Physiologie)

Erzeugt ein Reiz im Körper eine durch Nerven vermittelte Reaktion, ohne dass der Reiz im Gehirn verarbeitet wird, spricht man von einem Reflex.

Der Vorteil dieser Einrichtung ist die kurze Reaktionszeit des Körpers. Es wird keine zeitraubende Weiterleitung durch das Rückenmark oder eine ebenso zeitraubende Verarbeitung des Reizes mit Auswahl einer Reaktion benötigt.

Damit diese Verarbeitung funktioniert werden die Reize auf festen Bahnen in das Rückenmark geführt und dort direkt, ohne Umweg über das Gehirn, mit einer vorprogrammierten Reaktion an den reagierenden Muskel gesandt. Es gibt also keine Möglichkeit, eine andere als die vorprogrammierte Reaktion auszuführen. Dies könnte man als Nachteil ansehen, doch in der Praxis sieht es anders aus: auf die Meldung "Du fasst gerade eine heiße Herdplatte an!" gibt es nur eine einzige Möglichkeit, den Körper vor Schaden zu bewahren: den Befehl "Sofort die Hand wegziehen!". Genau dies leistet ein Reflex.

Solche Schutzreflexe sind in erster Linie Eigen- oder Fremdreflexe (siehe weiter unten). Komplexere Zusammenhänge können erlernt werden (bedingte Reflexe) oder werden in Hirnzentralen koordiniert, wenn eine Vielzahl an Reaktionen auf einander abgestimmt werden müssen (koordinierte Reflexbewegungen).

Inhalt
1 Eigenreflexe
2 Fremdreflexe
3 Koordinierte Reflexbewegungen
4 Bedingte Reflexe
5
6 Siehe auch
7

Eigenreflexe

Wenn ein Reiz eine Reaktion des Bereiches hervorruft, auf den der Reiz einwirkte, spricht man von einem Eigenreflex. Hierbei handelt es sich fast immer um Schutzreflexe oder um Reflexe, die den Gleichgewichtssinn unterstützen.

Ein Beispiel dafür ist der Patellarsehnenreflex, der mit einem kurzen Schlag auf die gespannte Sehne des M. quadriceps femoris ausgelöst wird. Durch den Schlag und damit durch die plötzliche Dehnung des Muskels wird ein sog. Reflexbogen in Gang gesetzt, der mit der Kontraktion des entsprechenden Muskels endet: das Bein wird ruckartig gestreckt. Der Sinn dieser Reflexe besteht also darin, bei plötzlicher Lageänderung von außen den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen: z.B. kann bei bei einem kurzen Tritt von hinten in die Kniekehle (plötzliche Beugung und damit Dehnung des M. quadriceps femoris) der Patellarsehnenreflex einen Sturz verhindern; ähnlich beim Stolpern über ein Hindernis.

Besonders eindrucksvoll ist dieses Prinzip mit einem kleinen Experiment selbst auszuprobieren: setzen Sie sich auf eine Tischkante oder einen hohen Stuhl, so daß Ihre Beine frei baumeln. Bitten Sie nun einen Partner, Sie plötzlich leicht nach links hinten zu kippen. Dadurch spannt sich der rechte Oberschenkelmuskel an und hindert Sie am Umfallen. (Dabei wird ebenfalls der M. quadriceps femoris gedehnt, nur diesmal nicht über die Patellarsehne, sondern durch das Kippen des Beckens.)

Wichtige Eigenreflexe führt diese Liste der Eigenreflexe auf.

Fremdreflexe

Einige Reflexe führen zu Reaktionen in anderen Gebieten als den gereizten. Als Beispiel soll hier der Kornealreflex dienen: wenn die Hornhaut des Auges gereizt wird schließt sich das Augenlid. Die Reizung folgt an einer Stelle, die mangels Muskeln nicht reagieren kann. Der Lidmuskel, der zum Schutz der Hornhaut aktiviert wird, wurde nicht selbst gereizt.

Diese Liste der Fremdreflexe zeigt die wichtigsten Fremdreflexe des menschlichen Körpers.

Koordinierte Reflexbewegungen

Wenn ein Reiz eine ganze Gruppe von Muskeln oder Drüsen in Aktion setzt spricht man von koordinierten Reflexbewegungen. Zu dieser Gruppe gehören zum Beispiel der Saugreflex und der Greifreflex. Diese Reflexe werden meist im Lauf des Lebens verlernt; wenn sie aufgrund von Hirnerkrankungen oder in Folge psychologischer Probleme wieder auftreten nennt man sie atavistischen Reflex.

Bedingte Reflexe

Während die oben aufgeführten Reflexe bereits angeboren sind, also bedingte Reflexe sind, gibt es auch die Möglichkeit, solche Reflexe durch Lernen aufzubauen. Um die Erforschung dieses Phänomens hat sich besonders der russische Wissenschaftler Iwan Pawlow (1849 - 1936) bemüht. Als Beispiel für einen bedingten Reflex sei sein berühmtes Hunde-Experiment genannt:

Einigen Hunden wurde jedes mal sobald sie Futter vorgesetzt bekamen zugleich ein Glockenton zu Gehör gebracht. Im Hirn der Tiere wurde dieser Ton als Ankündigung von Futter registriert: ein Lerneffekt. Daraufhin begannen die Hunde, Verdauungssekrete zu produzieren, sobald sie den Glockenton hörten, selbst wenn sie gar kein Futter vorgesetzt bekamen. Eine Aktion hatte eine feste Verschaltung zu einer Reaktion ausgelöst: die Hunde hatten einen Reflex erlernt.

Siehe auch


Der Ursprungsartikel stammt von der deutschsprachigen Wiki pedia (siehe oben: "Original Artikel & Autoren Liste").
Der Text steht unter der GNU Freie Dokumentation Lizenz.