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Synchronizität

Als Synchronizität bezeichnet Carl Gustav Jung zeitnah aufeinander folgende Ereignisse, die nicht über eine Kausalbeziehung verknüpft sind und vom erlebenden Beobachter als sinnhaft verbunden erlebt werden. Meist handelt es sich dabei um ein inneres Ereignis (eine lebhafte, aufrührende Idee oder Emotion) und ein zeitlich darauf folgendes äußeres, physisches Ereignis, das wie eine (körperlich) manifestierte Spiegelung als Antwort auf den inneren (seelischen) Zustand wirkt. Jung bezeichnet mit dem von ihm eingeführten Begriff sowohl das Phänomen als auch das hypothetisch dahinterstehende Prinzip. Er verwendet ihn öffentlich erstmals in seinem Vorwort zu Richard Wilhelms Übersetzung des „Buch der Wandlungen“ (1923).

Inhalt
1 Zusammenarbeit mit Wolfgang Pauli
2 Die Quaternio
3 Die vertikale Achse
4 Die horizontale Achse
5 Abgrenzung zur Serialität
6 Symbolkraft
7 Nichts als Zufall?
8 Ein Beispiel

Zusammenarbeit mit Wolfgang Pauli

Mit dem Physiker Wolfgang Pauli diskutiert er während seines langjährigen Briefwechsels (1932 - 1958, veröffentlicht 1990) intensiv diese Thematik. Beide veröffentlichen 1952 gemeinsam das Buch "Naturerklärung und Psyche", in dem Jung unter dem Titel "Synchronizität als ein Prinzip akausaler Zusammenhänge" das Thema umfassend behandelt.

Die Quaternio

Das Prinzip der Synchronizität veranschaulicht er in einer quaternio, einem Kreuz aus zwei sich jeweils polar ergänzenden Begriffspaaren, die sich diametral ergänzen und somit ähnlich aufzufassen sind wie etwa das Begriffspaar Welle / Teilchen beim Übergang von der klassischen Physik zur Quantentheorie. In der Vertikalen steht - oben: die unzerstörbare Energie unten: das Raum-Zeit-Kontinuum Horizontal befinden sich - links: der konstante Zusammenhang durch Wirkung (Kausalität) rechts: der inkonstante Zusammenhang durch Kontingenz bzw Gleichartigkeit „Sinn“ (Synchronizität)

Die vertikale Achse

Mit „unzerstörbare Energie“ wird hier die Größe bezeichnet, die bei allen physikalischen Prozessen konstant bleibt, also auch bei der Umwandlung von Energie in Masse und umgekehrt. Ihre durch alle ablaufenden physischen Prozesse sich ständig ändernde Erscheinungsform wird quasi als Tanz aufgefasst, der sich als Evolution auf der Bühne des Raum-Zeit-Kontinuums entfaltet.

Die horizontale Achse

Jung bestreitet nicht, dass jedes der beteiligten Ereignisse in seiner eigenen Kausalkette steht. Deshalb stellt die Synchronizität nicht das Kausalprinzip in Frage, sondern erweitert es linear bis zum rein akausalen Gegenpol: die Dinge sind in ihrer Entwicklung sinnhaft aufeinander bezogen und „so angeordnet, wie sie sind“ (acausal orderedness)

Abgrenzung zur Serialität

Jung grenzt die Synchronizizität (für ihn ungewöhnlich methodisch) streng von der Serialität ab, wie sie vor allem Paul Kammerer in seinem Buch „Das Gesetz der Serie (1912)“ untersucht hat. Sie betrachtet er als kuriose - bloß amüsante - Koinzidenzen, der das schöpferisch verwandelnde Potenzial der Synchronizität fehlt. Dieses Potenzial stammt nach Jung aus der Aktivierung eines Archetyps, die sich in der individuellen Psyche für eine gewisse Zeit fokussiert, um dort Ausgestaltung zu finden. Diesen Vorgang bezeichnet Jung als Individuationsprozess.

Symbolkraft

Sinnstiftend wird die Synchronizität durch ihre Symbolkraft, zum Träger des Symbols wird die physische Komponente der Koinzidenz dank ihrer Intension (spezifischen Entsprechung) und ihrer begrenzten Extension (geringe Häufigkeit). Dadurch kann sie als Resonanz und Antwort auf die (chronologisch vorhergehende) Emotion empfunden werden und dadurch befreiend/entwickelnd wirken.

Nichts als Zufall?

Die häufig gestellte Frage, ob es sich bei dem Phänomen nicht lediglich um Zufall handelt, ist nicht über Wahrscheinlichkeitsbetrachtungen zu lösen, denn der Wahrscheinlichkeitsbegriff erlaubt keine Aussagen über Einzelfälle - also etwa über den Sinngehalt einer einzelne Koinzidenz. Jedoch führt die Fragestellung zu einer Einbeziehung des Begriffs Zufall in das vorgestellte Konzept: a) das so bezeichnete Geschehen ist praktisch nicht vorhersagbar (also nicht in einer vorab bekannten Kausalkette stehend) b) in der Wortbildung drückt sich ein Vorgang aus, nämlich dass dem erlebenden Beobachter im Geschehen etwas „zufällt“

Ein Beispiel

Zur Erläuterung das vielleicht berühmteste Beispiel aus Jungs Praxis: "Eine junge Patientin hatte in einem entscheidenden Moment ihrer Behandlung einen Traum, in welchem sie einen goldenen Skarabäus zum Geschenk erhielt. Ich saß, während sie mir den Traum erzählte, mit dem Rücken gegen das geschlossene Fenster. Plötzlich hörte ich hinter mir ein Geräusch, wie wenn etwas leise an das Fenster klopfte. Ich drehte mich um und sah, daß ein fliegendes Insekt von außen gegen das Fenster stieß. Ich öffnete das Fenster und fing das Tier im Fluge. Es war die nächste Analogie zu einem goldenen Skarabäus, welche unsere Breiten aufzubringen vermochten, nämlich ein Scarabaeide (Blatthornkäfer), Cetonia aurata, der gemeine Rosenkäfer, der sich offenbar veranlasst gefühlt hatte, entgegen seinen sonstigen Gewohnheiten in ein dunkles Zimmer gerade in diesem Moment einzudringen." Gesammelte Werke, Bd. 8, S. 497.

Web.links: Newsgroup alt.psychology.synchronicity


Der Ursprungsartikel stammt von der deutschsprachigen Wiki pedia (siehe oben: "Original Artikel & Autoren Liste").
Der Text steht unter der GNU Freie Dokumentation Lizenz.